Magersucht ist eine Krankheit, die in meiner Krankenakte vermerkt ist, da ich an ihr leide. Wie viele andere auch. Aber ich bin nicht meine Krankheit. Ich war es nie und ich werde es auch nie sein, denn ich bin so viel mehr als das. Das sind wir alle.
Trotz alledem möchte ich in diesem Post darüber schreiben, wie ich mittlerweile in der Öffentlichkeit damit umgehe, krank zu sein.
Früher war das natürlich anders. Ich habe mich geschämt, versteckt und wollte nicht, dass jemand darauf aufmerksam wird, dass ich ein Problem habe. Das lag größtenteils daran, dass ich noch nicht bereit dazu war, Hilfe anzunehmen geschweige denn bereit dazu, mir selbst zu helfen. Aber nun bin ich es - zumindest bin ich so bereit, wie man eben bereit sein kann. Denn meiner Meinung beziehungsweise Erfahrung nach, muss man manchmal einfach ins kalte Wasser springen, denn es gibt einfach Situationen, in denen nie der richtige Zeitpunkt kommen wird. Man wird nie 100% bereit dazu sein, die Krankheit gehen zu lassen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das überhaupt möglich ist.
Es ist oft schwer, wenn man krank ist. Sowohl akzeptiert zu werden, als auch im normalen Leben ,mitzukommen'. Ich muss ganz ehrlich sagen, für mich ist ,,Normalität" momentan ein Fremdwort. Ich lebe - wie meine Eltern immer im Streit zu mir sagen: ,,in einer Traumwelt". Das mag zwar sein, aber ich sehe diese Traumwelt eher als einen Alptraum an, aus dem ich liebend gern wieder aufwachen würde.
Als ich mir meinen Instagram Account (-@chickpiola) erstellt habe, habe ich meine Krankheit öffentlich bekannt gegeben. Aber mein Account war keine öffentlich bekannte Seite, wenn ihr wisst, was ich meine... Ich hatte keine Bilder von mir selbst online und achtete stets immer darauf, dass ich meine Freunde aus dem ,,echten Leben" allesamt blockiert hatte. Doch irgendwann begann ich mehr und mehr dazu zu stehen. Aus einem ,,Recovery-Tagebuch-Account" wurde ein Hobby. Ich begann immer lieber Fotos zu machen und mehr zu schreiben, da ich Texte unter den Bildern verfasste. Und so fing es auch an, dass ich mehr zu mir und meinem ,,kranken Teil" stand. Nach und nach habe ich die Blockierungen aufgehoben und habe jetzt nur noch sehr wenigen Leuten den Zugriff gesperrt.
Meine Meinung zu dem Thema ist ganz simpel: Wenn jemand auf deine Daten - seien es die Videos auf Snapchat, die Texte und Bilder auf Instagram oder irgendetwas anderes - zugreifen will, dann schafft die Person es auch, sei es über Fake Accounts oder über Freunde...
Also brauch man gar nicht erst versuchen, es verhindern zu wollen, sondern man muss anfangen zu sich selbst zu stehen und hinter dem zu stehen, was man macht.
Mittlerweile kann ich mehr oder weniger offen über meinen Zustand, meine Vergangenheit und über meine Krankheiten reden, auch wenn mir manche Themen immerfort Gänsehaut bereiten oder mir die Sprache verschlagen. Aber das ist auch okay so, niemand ist perfekt.
Ich kann nur jedem den Rat geben, zu versuchen, zu sich selbst (egal ob krank oder kerngesund) zu stehen und sich zu akzeptieren, genau so wie man ist.
